Über die Kunst, sich nicht von Nachrichten verrückt machen zu lassen
Zwischen Doomscrolling und Demokratie: Wie Algorithmen unser Weltgefühl verzerren und was wir dagegen unternehmen können, ohne den Kopf in den Sand zu stecken.
Feierabend ist nicht nur das Ding nach der Arbeit, sondern die Zeit für all das Leben in deinem Leben. Mein Name ist Claas und mit TAoMF versuche ich, das gesamte Spektrum eines gelungenen Feierabends zu erkunden. Wie immer das auch aussehen mag. Dazu gibt es wöchentlich im Soundletter und monatlich in der Radiosendung die passende Musik.
Was glaubst du? Wie steht es um die Welt?
Werden die Dinge gerade besser? Oder eher schlechter?
Ich weiß, eine schrecklich vage Frage, viel zu gewaltig für eine Antwort aus dem Bauch heraus.
Aber wir beantworten sie trotzdem. Ständig. Mittels kleiner und großer Eindrücke aus unserem Alltag.
Aber ebendiese gefühlte Bestandsaufnahme kann dir so richtig den Feierabend verhageln.
Wir wiegen ständig gutes mit nicht so gutem miteinander auf, wie auf einer Pro-Kontra-Liste. Und versuchen, daraus, irgendwie logische Schlüsse zu ziehen. Das Ergebnis hat konkrete Auswirkungen darauf, wie wir durch diese Welt wandeln.
Aber wie vergleicht man nun Äpfel mit Birnen?
Im Alltag sieht das in meinem Kopf etwa so aus:
Die Ampelschaltung ist auch nicht mehr das, was sie mal war: immer nur Stau und Rote-Welle. Wenn ich Menschen auf einer Gassirunde grüße, grummeln sie nur unfreundlich zurück. Melonen haben keine Kerne mehr, mit denen man noch Wett-Weitspucken könnte.
Aber auf der anderen Seite: Man kann sein Auto wie mit einer Fernbedienung aus der Ferne aufschließen. Warmes Essen wird einfach so nach Hause geliefert. Wir können mittlerweile Energie aus Sonne und Wind erzeugen, und es gibt wiederverwendbare Kabelbinder.
Wenn nur nicht der Preis von Magnum Eiscreme immer höher und die Größe immer geringer werden würde. Außerdem sind Strohhalme aus Pappe auch mit PFAS belastet und die Bienen und Hummeln sterben.
Dafür gibt es Taylor Swift, Hafermilch, die nicht mehr nach Pappe schmeckt und die alten Star-Wars-Filme endlich in HD – so schön wie nie zuvor. Aber F*ck: all die Kriege, der Vormarsch der AfD und das Wanken der Demokratien...!
Noch vor ein paar Jahrzehnten wäre aus diesem Kuddelmuddel eine halbwegs ausbalancierte Waage geworden. Man hätte einen Durchschnitt aus diesen Äpfeln und Birnen gezogen – und wäre weitergekommen.
Heute folgen innerhalb kürzester Zeit Dutzende Argumente, die alle dasselbe zu beweisen scheinen: dass wir und dieser wunderbare Planet kurz vor dem Abgrund stehen.
Ich will nicht argumentieren, ob es wirklich so schlimm ist, besser oder gar noch schlimmer. Fast jeder Mensch, mit dem ich in letzter Zeit gesprochen habe, schaut ziemlich frustriert, mit einem Gefühl von Ohnmacht in die Zukunft. Lasst uns doch also mal darüber sprechen, woher dieses Gefühl kommt.
Meine These: Es hat mehr mit unseren Bildschirmen zu tun als mit dem allgemeinen Zustand der Welt.
Hello Weltschmerz, my old friend!
Während meines Politikwissenschaftsstudiums war ich ein Nachrichtenjunkie. Meine tägliche Presseschau dauerte mindestens eine, oft zwei oder mehr Stunden – alle Online-Ausgaben der gängigen Zeitungen, dazu Blogs und Artikel, die damals noch wunderbar ungefiltert über den Facebook-Feed von gleich gesinnten Freunden herein gespült wurden. In der Küche lief immer Deutschlandradio. Gut informiert sein, fühlte sich an wie Bürgerpflicht.
Aber in Wahrheit war es eine Sucht.
Das Ergebnis: Immerhin konnte ich bei nächtlichen politischen Diskussionen nach der 3. Flasche Billigwein noch mit aktuellen Entwicklungen glänzen, die meine KommilitonInnen nicht auf dem Zettel hatten.
Abgesehen davon pendelte ich zwischen Wut, Resignation und Verwirrung. Informiert, ja. Aber auch: gelähmt.
Irgendwann habe ich gemerkt, dass mich dieser endlose Konsum von Nachrichten nicht klüger macht, sondern eben ohnmächtiger und unglücklicher. Auch weil ich nicht in der Lage war – in den meisten Fällen zumindest – da direkt etwas gegen zu tun. Außer natürlich, die relevantesten Artikel auf meinem Facebook-Account zu teilen.
Als ob das irgendwem geholfen hätte.
Die Welt ist böse (sagt dein Bildschirm)
Was ich damals schon gespürt, aber nicht benennen konnte, hat George Gerbner bereits in den Sechzigern beschrieben: das ‘Mean World Syndrome’. Er wies nach, dass Menschen, die viel fernsehen, die Welt für deutlich gefährlicher halten, als sie tatsächlich ist.
Angst, Verunsicherung und Pessimismus waren bei VielseherInnen wesentlich verbreiteter als bei Menschen, die weniger häufig Nachrichten konsumierten. Lineares Fernsehen, als dominante Medienform neben den Zeitungen, wurde bekanntlich mittlerweile abgelöst durch eine Vielzahl von eigenständigen „Nachrichten-Inseln“. Und unsere tägliche Social-Media-Nutzung übersteigt bei vielen Leuten diese vier Stunden locker.
Nur, dass die Taktung eine völlig andere ist. Dieses zwanghafte Scrollen durch eine endlose Timeline voller aufwühlender Inhalte hat inzwischen einen eigenen Namen bekommen: Doomscrolling. We all know! Nicht nur Nachrichten, sondern alles, was der Algorithmus an aufwühlenden Inhalten hochspült – Kommentare, Meinungen, Prognosen, Empörung. Nicht die Information hält dich auf der Plattform, sondern die Emotion.
Eine Studie aus dem Jahr 2023 bestätigt wenig überraschend: Die drei Säulen, die schon Gerbner identifiziert hat – Angst, Verunsicherung, Pessimismus – zeigen sich genauso bei Social-Media-Vielnutzern.
Wen wundert’s.
Doomscrolling erzeugt existenzielle Angst, verbunden mit dem Gefühl von Leere, Sinnverlust und Hoffnungslosigkeit. Schon wenige Minuten negative Nachrichten senken Optimismus und Stimmung messbar.
Was Gerbner in den Sechzigern für vier Stunden Fernsehen am Tag nachgewiesen hat, erledigt heute wahrscheinlich ein fünfminütiger Blick aufs Smartphone morgens im Bett. Gleicher Effekt, hundertfache Dosis.
Abschalten? Hilft leider nicht.
Das, was ich damals auch zumindest versucht habe – und das, was gerade ziemlich viele Menschen verständlicherweise tun – ist geordneter Rückzug. Abschalten. Keine Nachrichten mehr.
Früher - also ganz früher - gab es einmal am Tag die Tagesschau – fünfzehn Minuten, drei Krisen, zwei Unfälle, schlechtes Wetter und die Fußballergebnisse. Dazu zweimal in der Woche die Lottozahlen. Immerhin ein wenig Hoffnung. Heute laufen Nachrichten im 24-Stunden-Zyklus. Jedes Mal, wenn du eine Nachrichtenseite aktualisierst, gibt es etwas Neues, meist Schreckliches.
Die sogenannte News Avoidance hat sich in den letzten Jahrzehnten fast verdoppelt. In Deutschland meiden mittlerweile rund 37 % der Menschen die Nachrichten manchmal oder oft – 2017 lag dieser Wert noch bei nur 24 %. Fast die Hälfte gibt an, dass Nachrichten ihre Stimmung negativ beeinflussen. Also zieht man sich zurück.
Und wer kann es ihnen schon verdenken? Das Problem an der ganzen Sache ist: Es funktioniert nicht.
Nur weil wir glauben, keine Nachrichten mehr zu konsumieren – weil wir keine Tagesschau mehr schauen, weil wir kein Deutschlandradio mehr hören, weil wir uns keine Zeitungen mehr kaufen – sind wir dennoch all diesen Informationen zu Dingen, die in der Welt vor sich gehen, weiterhin ausgesetzt.
Du hast nicht abgeschaltet — nur umgeschaltet
Die Wissenschaft hat dafür einen treffenden Namen: die ‘News-Finds-Me’-Wahrnehmung.
Bedeutet: Du suchst nicht nach Nachrichten, aber dafür finden die Nachrichten dich.
Durch die bewusste oder unbewusste Abkehr von journalistischen Inhalten hat man den kuratierten Filter gegen einen algorithmisch optimierten Emotionsstrom getauscht.
Auf jeder Plattform, die wir öffnen, werden wir von Meinungen bombardiert. Häppchenweise, zwischen Katzenvideos, Urlaubsfotos und Werbung. Der Unterschied ist nur, dass diese Häppchen uns beiläufig begegnen. Und sie bestehen meistens aus gefühlten Wahrheiten, persönlichen Kommentaren und Einschätzungen – von Menschen, die wir nicht kennen und deren Agenda wir nicht durchschauen.
Paradoxerweise hat dieser passive Nachrichtenkonsum einen doppelten Effekt: Zynismus gegenüber allem – und zugleich wachsendes Misstrauen gegenüber den großen Medien. „Schließlich wird dort auch soooo viel nicht erwähnt, vielleicht sogar absichtlich weggelassen!!!1111.
Haben wir nicht mittlerweile alle so einen Verwandten oder Bekannten?
Kurz gesagt: Man denkt, man hat abgeschaltet, aber man hat eigentlich nur den Kanal gewechselt.
Schlechter und besser — gleichzeitig
Normalerweise müsste das jetzt der Punkt sein, an dem ich dir sage, dass die Welt eigentlich gar nicht schlechter wird, sondern besser. Indem ich dir Statistiken um die Ohren klatsche – dass 1800 nur jeder Zehnte lesen konnte und heute fast neun von zehn, dass die Kindersterblichkeit gesunken ist und Frauen in 99 Prozent aller Länder wählen dürfen.
Und das stimmt ja alles auch. Tut es wirklich! Echt jetzt! Uns geht es so viel besser als vor 100 Jahren!
Aber natürlich weiß ich genauso, dass der Klimawandel real ist. Dass das Artensterben voranschreitet, wir alle voller Mikroplastik sind und Elvis wirklich tot ist! Und auch, dass Demokratien, die einst als sicher und stabil galten, unter einer enormen Belastungsprobe stehen.
Die Wahrheit ist wohl: Es ist beides gleichzeitig. Schlechter und besser werdend. Und schlechter werdend. Und ein Stück besser.
Aber das auszuhalten – ohne in die eine oder andere Richtung zu kippen – ist verdammt schwer. Aber bleibt uns etwas anderes übrig?
Wenn Ohnmacht auf Populismus trifft
Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz.
Dass wir uns überhaupt Sorgen um unsere Demokratien machen müssen, liegt auch daran, dass dieses verzerrte Weltgefühl anfällig für einfache Antworten macht.
Das ist genau das, was Rechtspopulisten in „aller Herren Länder“ ausnutzen. Durch emotionale, oberflächliche Erzählungen, besonders auf den Plattformen, die dieses Ohnmachtsgefühl erzeugen.
Gewissermaßen haben sie das Mean World Syndrome antizipiert und gelernt, auf perfide Weise für sich zu nutzen.
Und diese Polarisierung nährt wiederum das Gefühl, die Welt werde schlechter – und nur die einen können dagegen etwas tun, weil nur sie die Wahrheit erkennen.
Eine Studie der Universität Lissabon aus dem Jahr 2024 zeigt, wie das funktioniert: Rechtspopulisten mobilisieren gezielt über Empörung, Stolz und Hoffnung — drei Emotionen, die bei Menschen, die sich ohnmächtig fühlen, besonders verfangen. Nicht trotz der Plattformen, sondern wegen ihnen.
Die kleinen, feinen Hinweise reichen: Hier ist eine Ampel kaputt, da gibt es ein Steuerloch, dort kommt die Bahn zu spät, und irgendein Politiker hat irgendwas Dummes verzapft.
So schwindet das Vertrauen in Demokratie, Politik und Institutionen – nicht mit einem großen Knall, sondern mit tausend kleinen Nadelstichen.
Keine Verschwörung — ein Strukturproblem
Und auch wenn gezielte Desinformationskampagnen, von Trollfarmen bis zu koordinierten Netzwerken, das Problem verschärfen: Im Kern ist es ein strukturelles. Algorithmen sind auf Engagement, auf Verweildauer und auf Empörung programmiert. Nicht auf demokratieförderndes Verhalten.
Niemand bei Meta hat sich morgens hingesetzt und gesagt: Lass mal die Demokratie kaputt machen. Sie wollen doch einfach nur mehr Geld verdienen! Letztendlich unterscheidet sich das Ergebnis davon weniger, als man denkt.
Was also tun? (Ohne zu verblöden)
Was also können wir tun? Ohne zu naiv durch die Welt zu gehen. Ohne eine „ist mir alles egal“-Haltung einzunehmen.
Bei mir sieht das so aus: morgens zum Frühstück eine halbe Stunde Deutschlandradio. Nachrichten, Presseschau, vielleicht noch das Interview am Morgen. Dazu einmal die Tagesschau-Seite durchscrollen und auf zwei, drei Themen klicken, die mich wirklich interessieren
Gelegentlich stoße ich auf Hintergrundberichte oder längere Artikel, die meine Neugier wecken – da fuchse ich mich dann rein. Aber das war’s. Das stündliche Neuladen von Nachrichtenseiten hat mir nie etwas gebracht. Außer vielleicht, mir das Gefühl zu geben, „am Zahn der Zeit“ zu sein. Hätte ich in dieser Zeit doch mal lieber meine Zähne geputzt!
Denn ganz ehrlich: Informiertheit ist kein Wert an sich, wenn sie nur in Ohnmacht endet. Nachrichten konnten mich hervorragend beschäftigen, ohne mich auch nur einen Millimeter handlungsfähiger zu machen.
Ich brauchte einen Filter, der mir sagt: Was davon ist gerade nur Lärm, und was ist tatsächlich handlungsrelevant? Stephen Covey hat dafür einen Begriff, der bei mir richtig Klick gemacht hat: den Unterschied zwischen dem Circle of Concern, dem Circle of Influence und dem Circle of Control.
Drei konzentrische Kreise: Außen alles, was dich beschäftigt. In der Mitte das, was du beeinflussen kannst. Und ganz innen – ein überraschend kleiner Kreis – das, was du tatsächlich kontrollierst. Zum Beispiel: ob du morgens als Erstes dein Handy aufklappst oder erst einmal gemütlich ‘n Käffchen trinkst.
Zwischen diesen Kreisen liegt ein Ozean aus verschwendeter Energie.
Seitdem versuche ich mich bei jeder Nachricht zu fragen, die mich aufregt, zu fragen: Kann ich daran etwas ändern – ja oder nein? Wenn nein, nehme ich es zur Kenntnis und ziehe, blöd gesagt, einfach weiter. Wenn aber ja, versuche ich was zu tun, auch wenn es nur eine kleine Änderung bei mir selbst ist.
Fühlt sich an, als klingt das verwerflich!
Manchmal erschrickt es mich selbst, dass ich bei manchen wirklich schrecklichen Themen, die die Nachrichten dieser Tage zutage fördern, relativ gelassen reagiere. Vielleicht sogar desinteressiert nach Außen wirke.
Nicht, weil sie mich nicht berühren. Sondern weil ich für mich begriffen habe, dass meine Betroffenheit nichts an der Situation ändert. Außer dass ich schlechte Laune bekomme, die sich auf meine Mitmenschen, auf meine Produktivität, mein Leben negativ auswirkt.
Ich weiß, dass das merkwürdig klingen kann. Vielleicht sogar verwerflich. Als hätte ich resigniert und mich von der Welt abgeschottet. Einfach mein eigenes Ding machen. Aber das stimmt nicht.
Es fühlt sich eher so an, als hätte ich dort, wo ich tatsächlich etwas verändern kann, eine Klarheit zurückgewonnen. Dieser Newsletter zum Beispiel – der wäre nicht entstanden, wenn ich meine Abende noch damit verbringen würde, den fünften Artikel über die gleiche Krise zu lesen.
Mit dem positiven Nebeneffekt, dass sich meine Gedanken den Tag über nicht um all das Übel auf der Welt drehen. Sondern im besten Fall um die schönen, spannenden und inspirierenden Dinge um mich herum. Wundervolle Musik, anregende Gespräche oder kleine Details des Alltags, die mir sonst vielleicht entgangen wären.
Was jedoch nicht bedeuten soll, dass mir der kaputte Bolzplatz nebenan, die quer-parkenden Elektroroller oder die neue Mogelpackung beim Waschmittel nicht dennoch weiterhin auf den Keks gehen!
Aber damit lässt sich für mich definitiv mehr anfangen, als einfach nur mit schlechter Laune über den Stand der Welt durchs Leben zu grummeln.
Zurück zu den Äpfeln und Birnen
Zurück zum Anfang. Zu gefühlten Wahrheiten und dem Vergleich von Äpfeln und Birnen.
Die Kunst, sich nicht von den Nachrichten verrückt machen zu lassen, beginnt meiner Meinung nach damit, den eigenen Durchschnitt wieder aus dem eigenen Erleben zu speisen und nicht so viel mit dem, was im stetigen Social Media Strom auf uns ein plätschert.
Nicht aus dem zehntausendsten Nachrichtenticker, dem nächstbesten Kommentarschnipsel irgendeines Menschen im Internet. Sondern aus den eigenen Erfahrungen des Lebens um uns herum. Es geht dabei nicht darum, die Welt zu ignorieren.
Oder auf andere Art formuliert:
Pro: Tiefkühlpizzen schmecken mittlerweile richtig lecker, der Anteil erneuerbarer Energien steigt stetig an, die Zahnärztin hat meine Schneidezähne wieder richtig gut hinbekommen, meine Freunde sagen, dass seit meiner Kündigung ich viel besser drauf bin.
Contra: die Schlaglöcher auf den Radwegen, Spam-Mails, die AfD und viele Tomaten schmecken weiterhin nach nichts.
Irgendwie kommt mein Kopf aus diesen Äpfeln und Birnen zu einem Durchschnitt. Und der ist – bei aller berechtigter Sorge – erstaunlich okay:
Ich kaufe öfter mal auf dem Markt ein, update den Spamfilter, treffe mich häufiger mit Freunden und fahre dennoch Rad, weil Autofahren in Hamburg auch Kacke ist!
Zu akzeptieren, dass die Welt so ist, wie sie ist, ist ernüchternd. Was mitnichten gleichzusetzen ist mit „sie wird auch so bleiben“. Aber: Wir werden sie nicht durch unsere Wut oder unsere schlechte Laune im Hier und Jetzt verändern können.
Ja, Wut kann eine wunderbare Initialzündung sein und ich möchte niemandem seine Wut absprechen. Ohne sie hätten viele Kämpfe für eine bessere Welt niemals stattgefunden.
Wut wurde oft in positive Energie und Tatendrang verwandelt. Oft aber obsiegt auch die andere Seite: Angst, Hass, Abschottung und Gewalt. Meiner Meinung nach sind das alles keine Garanten für positive Entwicklungen.
Ich glaube nicht, dass wir und die Erde ein hoffnungsloser Fall sind. Wir verändern die Welt jeden Tag. Nur halt nicht im Großen, so wie wir es aus den Heldengeschichten aus Hollywood gelernt haben. Sondern im Kleinen. Indem wir nett zu unseren Nachbarn sind, wählen gehen, bewusster konsumieren oder sonst wie versuchen, konstruktiv Teil der Lösung zu sein, anstatt Teil des Problems.
Einer meiner Lieblingssprüche dazu in letzter Zeit:
The best way to complain, is to make things!
Hier steckt so viel Power und Potenzial drin. Denn ich wette, wir alle kennen diese wunderbare Energie, die in uns frei wird, sobald wir in Handeln kommen. Weg vom Zerdenken und Kritisieren, hin zum gemeinsamen Testen, Austauschen und Kreieren.
Ich bin überzeugt davon, dass uns das noch besser gelingt, wenn wir selbst mit unserem Leben zufrieden sind und das Leben auch einfach mal genießen können.
Letzte Worte und Austausch:
Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass es zu diesem Thema eine Menge anderer Meinungen gibt. Auch, weil ich sie selbst vielleicht schon durchlebt habe. Dennoch interessiert mich deine Meinung dazu! Gar nicht so sehr, ob die Welt nun gut oder schlecht ist. Sondern vielmehr, wie du mit deinem Gefühl dazu umgehst. Ziehst du dich auch von Nachrichten zurück aus Ohnmacht, suchst aktiv nach „guten Nachrichten“ oder lässt dich die Sache kalt.
Wie wirkt sich der veränderte Medienkonsum auf deine Stimmung aus? Ist dir da etwas aufgefallen?
Doch bevor du jetzt weiterziehst: Lust auf einen kleinen Prompt, um Musik mal wieder mit neuen Ohren zu hören?
Der Soundflip lädt dich ein, neue Facetten in einem Song zu erkunden, andere Blickwinkel zu wagen, und schickt dabei deine Ohren auf unbekannte Pfade. Weil Musik zu schön ist, um sie nur nebenbei zu hören. Such dir einfach einen Song aus und dann:
Das Ungehörte:
Versuch den Song aus dem Gedächtnis nachzusummen, zu klopfen oder zu pfeifen. Was bleibt hängen, was fehlt? Die Lücken zeigen dir, was dein Ohr priorisiert hat.
Weitere Soundflips jede Woche in meinem Soundletter. Passende Musik als Inspiration findest du auch monatlich in meiner Radiosendung.
In diesem Sinne: schönen Feierabend.
Claas
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