Über die Kunst des behutsamen Bingewatchens
Vom Videotheken-Date zum Doomscrolling-Feed: Eine Liebeserklärung an und ein Zwiegespräch über das bewusste Fernsehen. (Mit Voiceover)
Feierabend ist nicht nur das Ding nach der Arbeit, sondern die Zeit für all das Leben in deinem Leben. Mein Name ist Claas und mit TAoMF versuche ich, das gesamte Spektrum eines gelungenen Feierabends zu erkunden. Wie immer das auch aussehen mag. Dazu gibt es wöchentlich im Soundletter und monatlich in der Radiosendung die passende Musik.
Lass mich raten: Wenn du hier liest, dass es bei The Art Of Making Feierabend um die hohe Kunst des achtsamen Feierabendmachens geht, dann denkst du nicht zuerst ans Fernsehen gucken. Wohl eher das absolute Gegenteil.
Du denkst vielleicht an Meditation, an Atemübungen, Harfespielen oder ans Lesen von inhaltsgeladenen literarischen Werken. Weißt du was: Denke ich auch! Außer vielleicht das mit der Harfe! 🙃
Ich würde gerne noch mehr Zeit in der Natur verbringen, die Vögel und Pflanzen meiner Nachbarschaft beim Namen kennen, mehr lesen, mal das Zeichnen ausprobieren, manchmal Musik in ’ner netten Kneipe auflegen. Alles wunderbare Möglichkeiten, die mein Feierabend-Ich gerne häufiger in den Alltag integrieren würde.
The Feierabend will not be televised!
Und während ich das alles so aufzähle, wächst in mir der innere Widerstand gegen das, was ich jetzt laut ausspreche: Ich bingewatche gerne!
Ich glotze gerne in die Kiste, wie man früher zu sagen pflegte, als der Karton eines Fernsehers noch so groß war, dass ich darin als Kind das Haupthaus meiner Deckenhöhle im Wohnzimmer einrichten und ’ne Menge Freunde darin einladen konnte.
Wenn mich nicht alles täuscht, hatte ich schon in der Grundschule einen winzigen TV im Kinderzimmer. Super Nintendo inklusive. Und verdammte Axt hab’ ich viel dummes Zeug geschaut: Die Kickers, Es war einmal das Leben, Takeshi’s Castle, Darkwing Duck, Buffy, MacGyver, Knight Rider, Akte X, Scrubs, Lost … Halt. Stopp. Eigentlich alles ziemlich geiler Kram gewesen! 🙃
Bevor du jetzt mit den Augen rollst: Aus jetziger Perspektive ist es natürlich großer Käse, einen jungen Menschen mit weichem Hirn wie Play-Doh-Knetmasse vor solch flimmernde Bewegtbilder zu setzen. Da ist unsere Gesellschaft ja mittlerweile schon viel weiter … … …
An meiner Vorliebe für Filme hat sich jedenfalls nichts geändert. Videothek, heimlicher Festplattentausch, ein stets geöffneter Tab auf kino.to und irgendwann Netflix und der Rest der Streaming-Anbieter. Die Flimmerkiste hat mich sozialisiert und nicht mehr losgelassen.
Filme, Serien – das Fernsehschauen ist ein essenzieller Bestandteil meines Lebens. Und es braucht knapp anderthalb Jahre, bis ich auf die Idee komme, hier, im Rahmen meiner Erkundung des Feierabends, darüber zu schreiben. Weil es nicht ins Bild passt. Weil ich die Tricks der Streaming-Anbieter kenne – die Dark Patterns, das Autoplay, die Cliffhanger.
Aber es gibt da einfach diese Zeit am Tag, da bin ich mit meinem Körper und meinem Geist durch. Da möchte ich mir keinen Kopf mehr machen, sondern mich einfach von der hohen Kunst des Filmemachens verzücken lassen. Und mich dann dafür nicht schuldig fühlen.
Genau hier – an diesem Punkt zwischen Schuldgefühl und der nächsten Folge – will ich nun mal ansetzen.
Das Problem ist nicht, dass ich schaue. Das Problem ist, wie ich schaue.
Denn je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: Das Fernsehschauen ist nicht per se der Feind des guten Feierabends. Der Feind ist das, was die Plattformen aus dem Filmeschauen gemacht haben.
Denk mal kurz zurück. Wie war das früher? Du hast die Programmzeitschrift durchgeblättert (TV Movie, TV Spielfilm, HÖRZU – je nach Haushalt und Grad der Seriosität). Du hast dir bewusst etwas ausgesucht. Oder du bist in die Videothek gegangen, hast dich durch die Regale gewühlt, das Cover studiert, die Rückseite gelesen, vielleicht sogar den Typen hinter der Theke nach seiner Meinung gefragt. Und dann hast du geschaut. Bewusst. Von Anfang bis Ende. Ohne dass dir dein Telefon alle drei Minuten einen Dopaminstoß ins Hirn geballert hat.
Das war kein Binge-Watching. Das war ein Date mit einem Film.
Heute ist es eher so: Du öffnest Netflix (oder einen anderen Anbieter deiner Wahl), scrollst 15–50 Minuten durch die Auswahl, schaust dir drölf Trailer an, speicherst einiges in deine Watchlist, entscheidest dich für etwas, und dreißig Minuten später merkst du, dass du die Hälfte verpasst hast, weil du nebenbei auf Substack rumgeklickt hast.
Die Frage ist also nicht, ob Fernsehen zu meinem Feierabend gehören darf. Die Frage ist, ob das, was ich da eigentlich mache, überhaupt noch Fernsehen ist.
Human Fracking auf der Couch
Ich habe in diesem Newsletter schon öfter über das geschrieben, was die Friends of Attention Human Fracking nennen: die Art und Weise, wie Tech-Unternehmen uns mit minderwertigem Content vollpumpen, um an das heranzukommen, was wirklich wertvoll ist – unsere Aufmerksamkeit, unsere Daten, unseren „Goldstaub“. Wir sind nicht die Kunden (im Sinne von König), wir sind die Ressource.
Und das lässt sich hervorragend bei uns abends auf der Couch beobachten. Denn die Streaming-Plattformen haben den Code der Attention Economy nicht nur verstanden – sie haben ihn perfektioniert. Und zwar auf eine Weise, die unsere Beziehung zu Filmen und Serien grundlegend verändert hat. Hier sind die fünf Dinge, die mich dabei am meisten … nennen wir es beschäftigen:
1. Autoplay: Die leise Entmündigung
Der Klassiker: Das vielleicht genialste und zugleich hinterhältigste Feature der Streaming-Welt ist der Autoplay. Die nächste Folge beginnt, bevor du überhaupt entschieden hast, ob du weiterschauen möchtest. Der Countdown läuft – fünf Sekunden – und wenn du nichts tust, tust du automatisch das, was die Plattform will: weiterschauen.
Eine experimentelle Studie der University of Chicago hat 2025 gezeigt, dass das Deaktivieren von Autoplay bei Netflix die durchschnittliche tägliche Sehdauer und die Sitzungslänge signifikant reduziert. Aber noch viel besser: Die Teilnehmenden der Studie mit deaktiviertem Autoplay nutzten die gewonnene Pause zwischen den Folgen, um bewusstere Entscheidungen zu treffen. Sie schauten nicht weniger – sie schauten anders.
Der Autoplay ist also kein Service. Er ist eine Designentscheidung gegen deine Selbstbestimmung.
2. „Second-Screen-Shows“: Filme, die wissen, dass du nicht hinschaust
Das ist der Punkt, den ich so absurd finde, dass ich mir noch immer wünschte, es wäre ein Hoax: Netflix weiß nicht nur, dass wir nebenbei am Handy sind. Netflix entwickelt Serien dafür.
Die Postdoktorandin Daphne Rena Idiz von der University of Toronto hat im Rahmen ihrer Forschung zur europäischen Serienproduktion bereits 2022 herausgefunden, dass Netflix bestimmte Serien intern als „Second Screen Shows“ einstuft – also als Sendungen, die im Hintergrund laufen sollen, während das Publikum auf dem Handy scrollt. Drehbuchautor:innen berichten, dass sie von Netflix-Führungskräften die Anweisung bekamen, Figuren aussprechen zu lassen, was sie gerade tun, damit auch abgelenkte Zuschauer:innen der Handlung folgen können.
Lies dir den letzten Satz bitte noch einmal durch und versuche, das zu begreifen!
Es gab mal die goldene Regel des Geschichtenerzählens: „Show, don’t tell.“ Zeige es, erzähle es nicht. Was die Plattformlogik daraus macht: „Show and tell. And tell again.”
Einer der befragten Drehbuchautoren beschrieb den Ansatz von Netflix mit einem Witz: Wenn eine Figur traurig sei, wolle Netflix einen Dialog, in dem die Figur sagt „Ich bin traurig“ – während ihr Tränen übers Gesicht laufen, es regnet und traurige Geigen spielen.
Die fünfte Staffel von Stranger Things wurde in der Fangemeinde genau dafür kritisiert: ein Serienfinale voller Dialoge, in denen Figuren einander erklären, was sie tun, wo sie sind und wie sie sich fühlen. Sogenannter „geschmackloser Dialog“, wie es Kritiker:innen nannten. Ein Film, der erzählt, braucht nur deine Ohren. Und das fühlt sich auf so vielen Ebenen falsch für mich an.
Aber wie sagt man schön: Daten lügen nicht. All is data!
Eine YouGov-Erhebung aus 2023 bestätigte das Ausmaß: In 17 untersuchten Ländern gab die Mehrheit der Befragten an, während des Fernsehens regelmäßig aufs Handy zu schauen. In den USA und Großbritannien lag der Anteil bei 55%. Wenn es der Markt also so will: Bitteschön! Dankeschön!
3. Der TikTok-Reflex: Wenn Netflix zum Doomscrolling-Feed wird
Als wäre es nicht genug, dass die Plattformen Filme für abgelenkte Zuschauer:innen produzieren – sie bauen mittlerweile aktiv die Infrastruktur für noch mehr Ablenkung.
Netflix hat 2025 begonnen, einen vertikalen Video-Feed im TikTok-Stil auf seiner mobilen App zu testen. Kurze Clips aus Eigenproduktionen, durch die man sich swipen kann. Und Anfang 2026 kündigte Netflix-Co-CEO Greg Peters an, dass dieses Feature fester Bestandteil einer umfassenden App-Neugestaltung werden soll. Inklusive vertikaler Original-Inhalte und Video-Podcasts. Phone-First-Content nennt sich das.
Die Argumentation von Netflix lautet, dass man damit Nutzer:innen dort abholen will, wo sie sich „jetzt befinden“. Was eine nette Umschreibung dafür ist, dass man akzeptiert hat, dass die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums geschrumpft ist – und anstatt dagegen anzuarbeiten, baut man das Geschäftsmodell darauf auf.
Aus Sicht von Netflix erscheint der Schritt logisch. Warum warten, bis die Kundschaft zu Hause vor dem Fernseher sitzt? Außerdem nervt es, dass die User ständig vom Smartphone abgelenkt sind. Wenn du schon nicht aufhörst zu scrollen, dann sollst du wenigstens bei uns scrollen. Da freuen sich auch unsere Werbepartner.
Letztlich wird auch hier einem neuen potenziellen Wachstumsmarkt gefolgt: Mikro-Dramen versprechen, der neue heiße Kram zu werden. Etwas, für das ich definitiv zu alt zu sein scheine! 🙃
4. Die Ökonomie der endlosen Bibliothek
Die endlose Bibliothek, durch die du scrollst, ist gar nicht so endlos, wie sie sich anfühlt. Sie wirkt nur so. Der Medienforscher Niko Pajkovic hat in einer Studie gezeigt, wie Netflix diese Illusion erzeugt: personalisierte Coverbilder, endlos scrollbare Reihen und algorithmisch kuratierte Kategorien lassen dich glauben, du hättest nur die Oberfläche eines unendlichen Katalogs angekratzt. Derselbe Film bekommt je nach Nutzerprofil ein anderes Thumbnail – „Good Will Hunting“ zeigt dir eine romantische Szene, wenn du Liebesfilme schaust, oder Robin Williams, wenn du auf Komödien stehst. Nicht weil der Film sich verändert hat. Sondern weil die Verpackung dich zum Klicken bringen soll.
In Wahrheit sehen die meisten Menschen einen schmalen Ausschnitt des Katalogs – und zwar denselben. Rund 75 % dessen, was auf Netflix geschaut wird, gehen auf algorithmische Empfehlungen zurück. Und die priorisieren vorwiegend Netflix-Eigenproduktionen.
Warum sollte die Plattform dir einen lizenzierten Independent-Film empfehlen, an dem sie weniger verdient, wenn sie stattdessen ihre eigene Millioneninvestition pushen kann? In Pajkovics Experiment tauchten die Fast-&-Furious-Filme bei allen Testprofilen auf – beim Sport-Fan, beim Kultursnob, bei der Romantikerin – unabhängig vom Geschmack. Netflix hatte die Lizenzen gerade erworben und wollte die Investition rechtfertigen. Dein persönlicher Geschmack ist dem Algorithmus dabei nicht egal – er ist nur zweitrangig.
Die eigenen Entwickler von Netflix haben das 2015 in einem Blogpost eingeräumt: Das Hauptziel des Empfehlungssystems sei „improved member retention“ – Kundenbindung. Nicht Zufriedenheit. Nicht Entdeckungsfreude. Bleiben, nicht genießen. Und das verändert nicht nur, wie wir schauen, sondern auch, was produziert wird.
Wenn der Algorithmus entscheidet, was grünes Licht bekommt, optimiert er nicht für Kunstfertigkeit. Er optimiert für Klebrigkeit. Für Content, der dich hält, nicht für Geschichten, die dich bewegen.
Es entsteht, was Kritiker den „Algorithm Movie“ nennen – Produktionen, zusammengesteckt aus datenvalidierten Elementen wie ein IKEA-Regal. Ein bisschen Spielberg-Nostalgie, ein bisschen Mad-Max-Ästhetik, dazu ein Hauptdarsteller mit hoher Klickrate. Fertig ist der 320-Millionen-Dollar-Film, der drei Tage auf Platz eins steht und eine Woche später vergessen ist.
5. Die Entwertung der Stille
Vielleicht der subtilste, aber für mich persönlich einschneidendste Punkt: Streaming hat die Stille nach einem Film abgeschafft.
Kennst du das Gefühl, wenn du früher im Kino saßt, der Abspann lief, und du einfach einen Moment sitzen geblieben bist? Dieses Nachklingen? Dieses leichte Benommensein, wenn sich die Realität langsam wieder um dich herum aufbaut?
Das gibt es nicht mehr. Zumindest nicht, wenn du dich von der Plattform leiten lässt. Die nächste Episode startet. Die nächste Empfehlung springt rein. Es gibt keinen Raum für Verarbeitung, kein Innehalten, kein Nachdenken darüber, was du gerade gesehen hast. Die Stille wurde ersetzt durch Algorithmen, die deinen emotionalen Zustand als Signal für die nächste Kaufentscheidung nutzen.
Human Fracking in Reinform: Content rein, Aufmerksamkeit raus. Repeat.
Zurück zur Videothek (mindestens im Geiste)
So, jetzt habe ich ausführlich darüber geschrieben, was die Plattformen mit uns machen. Aber das allein reicht mir nicht. Denn wenn ich ehrlich bin: Ich werde nicht aufhören, Netflix, Prime oder Apple TV zu benutzen. Der Geist ist aus der Flasche. Die Videothek kommt wahrscheinlich nicht zurück (aber wer weiß …).
Was aber zurückkommen kann, ist die Haltung der Videothek. Die bewusste Entscheidung. Das Ritual. Die Vorfreude. Und ein paar ganz konkrete Sachen, die ich mir nun für das kommende Bingewatching-Jahr vornehme:
Autoplay aus. Ich weiß es doch eigentlich. Aber dennoch habe ich es noch nicht überall abgestellt. Was hoffentlich passiert, wenn eine Folge endet und nicht automatisch die nächste startet? Es entsteht ein Moment. Ein kurzer, stiller Moment, in dem ich mich fragen kann: Möchte ich weiterschauen? Oder war das eigentlich genug für heute? Ist diese Serie überhaupt meine Zeit wert? Dieser Moment fehlt seit Jahren.
Das Handy in ein anderes Zimmer legen. Oder zumindest auf lautlos und umgedreht. Ja, ich weiß: No-Brainer! Aber wie sagt man so schön: It’s simple, but not easy!
Jede Sendung ohne Handy im Anschlag ist ein Sieg des Monotaskings. Ich bin viel mehr in den Geschichten. Szenen berühren mich, die vorher an mir vorbeigerauscht wären. Die Forschung zu den Dark Patterns zeigt: Der „Second Screen“ ist nicht nur ein Verhalten – er ist ein Zustand. Und den kann man aktiv verlassen.
Vorher aussuchen, was ich schauen will. Nicht erst die App öffnen und dann durch den Katalog driften. Das ist der Netflix-Strudel, und er ist designt, um mich zu fressen. Stattdessen morgens oder tagsüber kurz überlegen, worauf ich Lust habe. Eine Empfehlung von Freunden nehmen. Einen Regisseur oder eine Schauspielerin verfolgen. Letterboxd nutzen, um zu sehen, was andere Menschen – echte Menschen, keine Algorithmen – gut finden. Die Entscheidung vor dem Couch-Moment treffen.
Weniger, aber besser. Drei Folgen einer mittelmäßigen Serie, weil sie halt da ist, oder ein richtig guter Film, der dich noch drei Tage beschäftigt? Ich versuche mir bewusst zu machen, dass meine Abende endlich sind. Dass Feierabend die wertvollste Zeit meines Tages ist. Und dass ich sie nicht mit „Content“ füllen will, den ich morgen vergessen habe. (Ausnahmen bestätigen die Regel!)
Häufiger ins Kino. Und zwar nicht nur für den nächsten Blockbuster im IMAX. Sondern dem Bauchgefühl und einer Empfehlung eines Freundes folgen und in einem kleinen Programmkino einen Film sehen, der nicht für oder von einem Algorithmus erstellt wurde, sondern von Menschen, die damit wirklich etwas ausdrücken wollen.
Danach kurz nachdenken. Das klingt jetzt furchtbar bildungsbürgerlich, ich weiß. Aber ich meine nicht, dass ich mit einem Filmtagebuch anfangen will (wobei …?!). Mein Ziel erst mal ist es, einfach mal zwei Minuten sitzen zu bleiben, wenn der Film aus ist. Nicht sofort zum nächsten Ding springen. Dem Gesehenen einen Moment Raum geben. Was hat mich berührt? Was hat mich genervt? War das was, oder war das Hintergrundrauschen?
Und gelegentlich: einen Filmabend daraus machen. So wie früher. Mit Freunden. Mit Snacks. Mit einer bewussten Auswahl. Mit einer Diskussion danach. Fernsehen als soziales Erlebnis, nicht als individuelles Abdriften.
Das innere Fernsehkind umarmen – oder so
Ich glaube, der Kern meines Zwiespalts ist eigentlich ganz simpel: Ich habe Fernsehen lieben gelernt in einer Zeit, als Fernsehen noch anders war. Und jetzt lebe ich in einer Welt, in der dieselbe Tätigkeit zu etwas ganz anderem geworden ist. Ohne dass ich den Wandel so richtig mitbekommen habe.
Das Ziel ist nicht, weniger zu schauen. Das Ziel ist, wieder richtig hinzuschauen.
Denn gute Filme und Serien – wirklich gute – sind und bleiben für mich eine wundervolle Kunstform. Sie erzählen Geschichten, die uns verbinden. Sie zeigen uns Welten, die wir nie sehen würden. Sie lassen uns Dinge fühlen, die wir im Alltag verdrängen. Sie sind Kunst, und Kunst verdient unsere volle Aufmerksamkeit.
Die Streaming-Plattformen wollen, dass du bleibst. Aber sie wollen nicht, dass du wirklich da bist. Ihre Plattformen sind keine Orte, an denen Filme und die Menschen dahinter zelebriert werden. Sie sind schlicht eine austauschbare Software, mit der Geld verdient wird. Und zwar eine Menge.
Die Kunst des behutsamen Bingewatchens ist der Versuch, genau das umzudrehen: wirklich da sein, wenn du schaust. Und wirklich gehen können, wenn es genug ist.
Mein inneres Fernsehkind, das in der Deckenhöhle aus Fernsehkartons saß und mit großen Augen Knight Rider geschaut hat? Das hatte die Sache eigentlich drauf. Es hat jede Sekunde aufgesogen. Es war in jeder Hinsicht im Hier und Jetzt.
Aber bei der schauspielerischen Leistung und den Effekten natürlich auch kein Wunder … 🙃
Was meinst du dazu?
Ist es noch möglich, im Streamingzeitalter ein leidenschaftlicher Cineast auf der eigenen Couch zu sein? Bist du auch so ein Fernsehkind wie ich oder das absolute Gegenteil und bist sehr froh darüber? Wie haben die Plattformen deinen Filmkonsum verändert? Findest du vielleicht sogar, dass es auch eine Menge Vorteile mit sich bringt? Schließlich werden dadurch etliche wundervolle Serien produziert, die sonst nie abgefilmt worden wären.
Ich bin über deinen Input mehr als gespannt!
Doch bevor du nun weiterziehst: Lust auf einen kleinen Prompt, um Musik mal wieder mit neuen Ohren zu hören?
Der Soundflip lädt dich ein, neue Facetten in einem Song zu erkunden, andere Blickwinkel zu wagen, und schickt dabei deine Ohren auf unbekannte Pfade. Weil Musik zu schön ist, um sie nur nebenbei zu hören. Such dir einfach einen Song aus und dann:
Wenn du zu diesem Song einen Film drehen würdest – was passiert darin?
Und was wäre es für ein Film: Action-Blockbuster oder RomCom, Low-Budget-Independent-Film oder Hollywood-Feuerwerk? Welche Schauspieler:innen würden gut in den Cast passen?
Weitere Soundflips jede Woche in meinem Soundletter. Passende Musik als Inspiration findest du auch monatlich in meiner Radiosendung.
In diesem Sinne: schönen Feierabend.
Claas
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